Analog ist das neue Bio?*

Schöne Idee, nur werden ganz viele Dinge durcheinander gemischt, und eine  Schlussfolgerung gezogen, die zu nichts führt. Vordergründig möchten wir vielleicht gerne annehmen, dass Bio Einfluss auf den Lebensmittelmarkthat. Die Aufzählung der Nebenwirkungen der Lebensmittelindustrie zeigt jedoch, dass Bio parallel zur konventionellen Lebensmittel-Massenproduktion, eigentlich nur einen neuen Markt, mit wunderbar aus-differenzierter “Gutmenschen”-Zielgruppe gebracht hat – ein Traum für jede Werbeagentur. All die beschriebenen Nebenwirkungen haben sich parallel zu BIO verstärkt.

Wir zahlen gerade mehrere Preise für die gleichen Produkte – niemand zwingt uns übrigens dazu. Die unglaublich großartigen Technologien der letzten Jahrzehnte wurden missbraucht, dem zivilen Fortschritt entzogen, und unsere Wahrnehmung auf das eigentliche Potential für die Menschheit verzerrt.

Das ist nur einer der perfiden, gesellschaftlichen Nebeneffekte die uns Edward Snowden und der NSA Skandal beschert haben. Sie schüren unterschwellig und indirekt Angst und Misstrauen unter den Menschen. Keiner redet darüber, aber trotzdem wirkt es, weil alle Menschen wissen, dass alle Technologien von Menschen missbraucht werden. Es ist im Grunde genommen die Angst vor diesem Missbrauch und nicht die Angst vor der Technologie die uns krank macht  – der Verlust von Miteinander und gegenseitigem Vertrauen.

Die eigentliche Beobachtung der beschriebenen Analogentwicklung zeigt wie sehr wir uns dieses Miteinander eigentlich wünschen. Die Folge daraus ist, dass sich viele Menschen in eine sichere Umgebung zurückziehen, in der sie sich wieder vertrauen können. Gleichzeitig werden absurde Forderungen wie “mehr Transparenz von Geheimdiensten” (!) geäußert. Man fordert mehr Gesetze die das Internet kontrollierbar machen sollen und bezieht Stellung gegen die digitalen Medien. All diese Debatten führen in der Konsequenz vor allem zur Ablenkung vom eigentlichen Thema. Das hat mittlerweile wunderbar funktioniert, und wir haben selbst gesellschaftlich dazu beigetragen. Wir haben sogar das Hauptargument für mehr Kontrolle und Überwachung geschaffen, welches unaufhörlich in den Massenmedien wiederholt wird: Sicherheit.

Menschen lieben Sicherheit! Um sie zu bekommen, sind wir bereit mit unserer Freiheit zu zahlen. Nicht Google, Facebook und Co.  verhindert das Nachdenken, sondern genau diese Haltung. Die Angst vor digitaler Überwachung und der Missbrauch fantastischer Technologien (durch Menschen!) verhindert, dass wir uns mit der eigentlichen Frage beschäftigen: In was für einer Gesellschaft möchten wir leben? Allein eine umfängliche und für jedermann verständliche Analyse des Status Quo wäre vernichtend.

Versuchen wir uns einmal die Leistungsfähigkeit der eingesetzten Algorithmen des Finanzhandels, der NSA und Google & Co. vorzustellen, wenn diese für die Menschen eingesetzt würden, anstatt gegen sie.

Was wäre, wenn man sie bei Notrufen einsetzen würde. Es gibt zum Bespiel Taxi Apps die auf Knopfdruck oder per Stimme ein Taxi zu meinem aktuellen Standort schicken können, aber es gibt keine Feuerwehr- oder Polizeiruf App die das kann. Was spricht denn gegen Kameras und Rauchdetektoren, mit leistungsstarken lgorithmen?  Algorithmen, die nicht nur 1.000-fach schneller, als eine Telefon-Mensch-Funk-Mensch-Kette agieren können, sondern auch 1.000 mal mehr solcher Ereignisse verarbeiten könnten. Überhaupt nichts. Im Gegenteil, das System könnte sogar reagieren, wenn niemand zu Hause wäre.

Es spricht aber etwas gegen den Missbrauch dieser Technologien durch jene Menschen, die schon immer die (Bewegungs-) Freiheit von anderen Menschen eingeschränkt und überwacht haben.

Digitale Medien versetzen uns heute überhaupt erst in die Lage, etwas hinterfragen und anprangern zu können.

Unsere Technologie entspricht dem 21. Jahrhundert aber in unseren Köpfen leben wir noch im 17. Jahrhundert. Sich in diese Zeit zurückzusehnen bringt nichts. Natürlich kann man sich vor Algorithmen erschrecken. Es ist schon gespenstisch, während des Chats mit einer finnischen Freundin via Facebook sofort die aktuellsten Flugangebote nach Finnland angeboten zu bekommen.

Die Schlussfolgerung muss doch aber eine andere sein: Es ist, wie es ist, und es wird Zeit, dass wir Menschen uns die Technologie des 21. Jahrhunderts (zurück-)holen. Und da ist der Gedanke vollkommen richtig – Das geht nur analog.

Es gab mal ein Land, in dem haben sich die Menschen weitgehend ins Privatleben zurückgezogen. Dadurch konnte die Überwachung immer perfidere Ausmaße annehmen, und über Zeit wurde das Misstrauen untereinander immer größer. Bis es irgendwann einen kompletten Umbruch gab, und die Menschen plötzlich auf das totale Gegenteil gesetzt haben – Vertrauen. Niemand kann etwas gegen Massen friedlicher Menschen unternehmen, die sich vertrauen.

Diese gesamte Entwicklung vollzog sich langsam und evolutionär. Vielleicht sollten wir den Teil “Rückzug ins Privatleben” diesmal überspringen, und direkt zum Wandel übergehen.

Das wird diesmal schwieriger, keine Frage. Im Vergleich zu 1989 müssen wir nicht nur für Freiheit und Gerechtigkeit gegen “die da oben”, sondern gegen unseren inneren Überlebensinstinkt antreten, der von intellektuellen Debatten, Kreditraten, geistiger und körperlicher Erschöpfung und Überforderung verzerrt wird.

Das Elend wird von Tag zu Tag größer! Vorausgesetzt wir wollen die Welt zum Besseren verändern, dann erreichen wir das nicht durch den Rückzug ins Kino, oder den Buchladen.

Der NSA Skandal, Pofalla, Friedrich, Blabla – das sind allesAblenkungsmanöwer die sich unsere Angst, unsere Empörung und unser Misstrauen zu nutze machen. Was  an dieser Erkenntniskette richtig ätzend ist, ist dass die Mehrheit von uns mittlerweile so durcheinander ist, dass wir parallel dazu Bundestagswahlen hatten, und freiwillig SED-mäßig “das kleinere Übel”, oder auch GroKo gewählt haben.

Was uns Snowden (ganz ohne Skandal) gebracht hat, ist ein Appell endlich den Hintern hochzukriegen, und raus aus dem Liegestuhl zu kommen.

Brauchen wir eine Bewegung ‘Zurück zu Analog’? Auf jeden Fall, sie ist mehr als überfällig – aber wenn schon, dann richtig. Gründen wir ruhig Buchclubs, diskutieren wir die Hintergründe für die diversen Schieflagen der Welt, aber dann geht’s analog – ab auf die Straße. Was haben der Stasi all die Datenmengen, über alle DDR Bürger genützt, als diese gemeinsam aufgestanden sind?

Nur so können die Nachrichtendienste von der Analogbewegung beeinflusst werden. Wenn es in der DDR Montagsdemonstrationen gab, sind wohl heute eher Samstags- oder  Sonntagsdemonstration machbar, gäbe es da nicht diesen Rückzug ins analoge Privatleben…

Fragen:

Mal angenommen ab morgen würden alle nur noch BIO konsumieren, ab wann würdeBIO dann zur Massenproduktion? Garantiert uns das dann gute Massenproduktion?

Wäre es nicht effektiver ein Gesetz zu erlassen welches bestimmt, dass Ställe und Tiertransporte ab sofort mit Glaswänden auszustatten sind?

Wenn jemand beim SMS texten gegen einen Laternenpfahl läuft, sind daran das iPhone und die Smartphone Technologie schuld?

Steht jemand mit vorgehaltener Waffe hinter uns am Rechner, der uns zwingt etwas zu kaufen, nachdem Google mit seinem Profil über uns die passende Werbung eingeblendet hat?

Wo sind die Schulfächer, öffentlichen Debatten und Politiker, die über die Manipulation durch Mainstreammedien (Geht einkaufen = Wachstum, Wachstum, Wachstum) und verführerische Werbung aufklären?

Die EU Kommission hat letzte Woche, gegen die Mehrheit der Mitgliedstaaten, den Gen-Mais 1507 verabschiedet und verhandelt hinter geschlossenen Türen über das TTIP Abkommen. Arbeitsplätze werden seit Jahrzehnten unter anderem nach Bangladesh, China und Indien ausgelagert, der südamerikanische Regenwald wird für EU Biosprit abgeholzt, Frontex wird ausgebaut, es gibt Dronenkriege, usw., usw.. Warum anstatt entweder oder, nicht lieber googlen, dann denken und handeln?

*Auszug [m]eines Emailaustauschs mit Andre zum Artikel  Wird analog das neue BIO?  aus der Huffington Post vom 15.02.2014 [vor Veröffentlichung].

 

  • 16. Februar 2014

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