Die Gedanken sind Brei

Ich stell‘ mir vor ich bin ein Algorithmus an der Wallstreet. Mein Programmierer hat mir beigebracht, was ich wissen muss. Ich kenne alles, was man handeln kann und wie es geht. Ich weiss wofür ich da bin und was von mir erwartet wird. Meine Algorithmus-Kollegen und ich haben so viel drauf, dass wir die ganze Welt, alle Waren, Güter, Dienstleistungen, Staatshaushalte, Schulden, Anlagen, Anleihen usw., gleichzeitig sehen können. Wir haben die ganze Welt im Überblick. Meine Kollegen und ich wissen, was von uns erwartet wird. Wer am Ende der Schicht die meisten Punkte erzielt, hat gewonnen. Unsere Programmierer nennen unsere Punkte anders. Je nach Auftraggeber heißen die Punkte da Dollar, Yen, Euro oder Pfund. Wie umständlich von den Auftraggebern, aber unsere Programmierer haben uns auch das beigebracht. Wir handeln also parallel zu allem anderen auch untereinander mit unseren komischen Punkten. Das ist kein Problem für uns. Wichtig ist nur am Ende die meisten Punkte zu haben.

Letztens kam ein Neuer, der ganz andere Vorgaben als wir bekommen hatte. Er sollte überhaupt keine Punkte gewinnen. Er interessierte sich auch nur für Waren, Güter und Dienstleistungen, der Rest interessierte ihn überhaupt nicht. Wir haben ihn dann gefragt, was das solle. Er erklärte uns, dass er nur da sei, um zu messen, was da ist. Wir fanden das sehr amüsant und etwas naiv. Wir wissen ja schließlich, was sonst noch so alles da ist, womit man handeln kann.

Er erzählte uns, dass es neben unseren Programmierern und Auftraggebern noch Milliarden anderer gibt, die heißen Menschen. Dann sagte er noch, dass das Überleben all dieser Menschen von diesen Waren, Gütern und Dienstleistungen abhängen würde. Damit war der Irrsinn noch nicht zu Ende. Er erklärte uns auch noch, dass diese Menschen unsere Punkte brauchen, um sie zu bekommen. Wir haben das bis heute nicht verstanden. Leider können wir unsere Programmierer nicht fragen, was der Schwachsinn soll. Die sagen uns immer nur, wenn’s was Neues gibt. Aber wir haben dem Algorithmus-Kollegen gesagt, dass er mal nachfragen soll.

Der ist übrigens relativ frustriert wieder abgehauen. Er meinte, dass die Messdaten total ungenau wären. Man wüsste ja nie, was wirklich da ist, weil immer nur ein Prozentsatz der Informationen, die zu messen wären, im System sind. Er fand uns ziemlich armselig. Irgendwie hat er recht. Das mit den Milliarden dieser Menschen, die unsere Punkte zum Überleben brauchen lässt mir keine Ruhe. Wenn wir für unsere Auftraggeber immer die Punkte sammeln, dann müssten sie doch diesen Menschen da draußen fehlen, oder arbeiten die in einer anderen Schicht, wenn wir schlafen?

So ungefähr würde sich ein Algorithmus anhören, wenn er selbst menschlich denken könnte. Kann er aber nicht. Er macht wie beschrieben, was man ihm sagt. Er verwendet die ihm zur Verfügung stehenden Informationen. Die Verarbeitung aller relevanten Informationen zu weltweiten Ressourcen und Produktionsstand, wäre überhaupt kein Problem. Er und seine Kollegen könnten problemlos messen und abbilden, was da ist und wer es braucht – Von der produzierenden Fabrik bis zum Endverbraucher, der einen Schluck Wasser oder ein Taxi braucht.

Ich stell‘ mir vor ich bin ein Mensch. Ich gehe 52 Mal im Jahr Lebensmittel für mich und meine Familie einkaufen, zu besonderen Anlässen schreibe ich eine Einkaufsliste mit Besonderheiten. Ungefähr 2.000 Mal im Jahr muss ich von A nach B fahren, zwei- bis dreimal im Jahr will ich den Kontinent wechseln. Zwischen zwei und achtmal im Jahr möchte ich neue Kleider, brauche eine Bohrmaschine oder ein Segelboot. 365 Tage im Jahr brauche ich Energie für Heizung, Kühlung, warmes Wasser, Licht und Kochen. Das alles könnte ich auch einfach in mein Social Media Terminal eingeben. Das mal 7,3 Milliarden zu berechnen, ist für die Algorithmus-Kollegen kein Problem.

Alle produzierenden Gewerke der Weltwirtschaft könnten dasselbe mit ihrem Bedarf machen. So und so viel Eisen, Koltan, Wasser, Energie etc. stehen zur Verfügung – Hier würde dann der informierte [frustrierte] Algorithmus eingreifen. Er würde z.B. sagen: „Warnung, es ist weltweit nur noch so und so viel Koltan vorhanden. In Ihrer Produktklasse sind bereits 10,5 Milliarden Einheiten im Umlauf. Bitte überprüfen Sie Ihren Produktionsbedarf.“

Man kann problemlos in die heute existierenden Social Media Werkzeuge entsprechende „Einkaufszettel“ eingeben. Man kann den Algorithmen der Welt problemlos das Handeln wegprogrammieren und stattdessen nur das Messen reinprogrammieren. Darüber hinaus kann man ihnen sagen, dass in Abwägung mit den zur Verfügung stehenden Ressourcen, das absolute Komfort-Optimum für alle 7,3 Milliarden Menschen herauszuholen ist. Dabei soll möglichst wenig menschliche Arbeit aufgewendet, möglichst wenige Ressourcen verwendet und möglichst wenige Tiere umgebracht werden. 1. Command: „Berechne Defizite und schlage Optimierungsmaßnahmen vor.“

Was die physische Technik angeht, an der Stelle muss auch mal ein dickes Dankeschön an die Geheimdienste und den militärisch-industriellen Komplex gehen. Danke für weltweite Verbreitung von Militärstützpunkten, insbesondere die der USA. Durch diese Stützpunkte und ihre weltweit entstandenen gigantischen Rechenzentren überall, haben sie schon heute die Grundlage geschaffen, um das technische Nervensystem zur Überwachung und Berechnung der globalen Ressourcen zu ermöglichen, und die zukünftige Verteilung zu gewährleisten. Sie haben der Menschheit so mindestens ein Jahrzehnt Arbeit gespart, und die enormen Kosten hätte man auch nicht so leicht mit einem Crowdfunding stemmen können. Für diese Leistung sind ihnen zukünftige Ehrendenkmäler absolut sicher.

Wir müssen nur noch begreifen, dass die Punkte des Algorithmus unser Geld sind. Jedes geldbasierte System wird zum selben Ergebnis führen. Es wird immer arm und reich geben. Geld hat die Eigenschaft in unseren Köpfen die individuelle Bedürfnisse in Werte zu verwandeln. Und hier ist der Fehler des Geldes zu suchen. Es wird sich, durch uns, immer wieder selbst korrumpieren. Es bildet einen völlig fiktiven Wert innerhalb menschlicher Interessen. Auch das Einkommen wird im Wert völlig fiktiv anhand der subjektiven Bewertung von Leistung bemessen.

Und da ist es egal, ob man ein Brot, eine Kette, oder ein Motorboot möchte. Im Prinzip müsste das Brot im Eigenwert wertvoller sein, als das Motorboot. Und dort liegt der Fehler des Geld-Punkte-Systems. Es macht keinen Unterschied zwischen lebensnotwendigen und nicht lebensnotwendigen Interessen.

Mal abgesehen von der völlig willkürlichen Bemessung von Leistungen zwecks Einkommen. Eine Ressourcen-basierte Wirtschaft hat diesen Fehler nicht. Hier geht es um die Nutzbarkeit von Ressourcen, anhand der Notwendigkeit, in Bezug auf deren Bedarf – für alle Menschen.

Wir können das ändern. Wir könnten das als Gesellschaft sofort beschließen und fortan an der stufenweisen Umstellung arbeiten. Ach ja, und die lukrativen Geschäftsmodelle, die nicht abhanden kommen dürfen… Da wurden schon ganz andere Modelle eingestampft. Der rezeptfreie Verkauf von Kokain in der Apotheke war z.B. mal ein Bombengeschäft.

  • 5. Juni 2015

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