Die Geschichtenerzähler

Eine der mächtigsten kulturellen Institutionen, die unser westliches Denken prägen ist der Hollywoodfilm. Er folgt immer dem gleichen Schema. Es gibt einen Anfang einen Mittelteil und ein Ende. Dazu gibt es dramatische Elemente, Spannung und am Ende eine Lösung. Außerdem gibt es dann meistens noch einen Helden, einen Bösewicht und natürlich geht es immer um menschlich emotionale Geschichten. Dieses Schema wird von jedem Tatort, James Bond oder Guy Richie Streifen übernommen.

Die Drehbücher einer Hollywood- oder Rosamunde Pilcher Schmonzette laufen identisch. Irgendwann findet sich das Pärchen, dann kommt ein rachsüchtiger niederer Charakter und intrigiert. Da man niemandem vertrauen kann, nimmt man nicht etwa den Telefonhörer in die Hand, um die Intrige aufzuklären, sondern muss bis zum Ende warten, bis eine göttliche Fügung Klarheit schafft. Dann haben sich alle lieb und der Bösewicht stirbt, geht in die Verbannung, wird enterbt oder anderweitig geächtet. Es gibt also den moralisch edlen, oder den moralisch verwerflichen Menschen.

Die Art und Weise wie Hollywood oder Romane ihre Geschichten erzählen, und wie darin kommuniziert wird, hat viel damit zu tun, wie wir Menschen auch völlig abstrakte Vorkommnisse bewerten. Für die Bewertung steht also nur unser 5-Sinne-Emotions-Repertoire zur Verfügung. Der gute Mensch als hilfloser Spielball der bösen Gewalten.

Durch diese Brille wird dann auch etwas völlig Abstraktes wie z.B. die Finanzkrise seit 2008 betrachtet. Wir schauen auf den Anfang, den Mittelteil und das Ende. Wir sehen das Drama am Anfang um Lehmann Brothers und natürlich verlangen wir nach einer Lösung. Wir wollen die Bösen genauso sehen wie die Opfer.

Wir konzentrieren uns auf ein paar Schlüsselfiguren und vergessen dabei, dass dieses Problem vielleicht gar nicht mit ein oder zwei Personen zusammenhängt, sondern dass es systemisch ist. Wir haben uns fast alle mitschuldig gemacht und sei es nur, weil wir nie danach gefragt haben, warum alles bisher so lief wie es lief.

Vielen von uns fällt es schwer diese Krise exemplarisch als systemisches Versagen zu begreifen. Einfach deshalb, weil es keine gute Geschichte ist und es deshalb zu Unverständnis bei uns führt. Die Inszenierung des Few-Man-Show Theaterstsücks der Banken in 2008, und unsere eigene angeblich hilflose (alternativlose) Position brachte uns eins fix drei in die Verstaatlichung der Schulden und in die Privatisierung der Gewinne. Statt aber das System zu durchschauen, wenden wir das menschliche Verhaltensrepertoire auf ganze Staaten an, und nennen es dann auch noch kulturelle Unterschiede. Faule Abzocker in Hängematten vs. fleißige Arbeits- und Steuerbienen, die dann aufeinander losgehen.

Einfach nur, weil es eine gute Geschichte ist, die wir mit unseren Hollywood-Gehirnen verstehen können.

  • 15. Juni 2015

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