Bildung

„Wir lernen nicht für die Schule, sondern für’s Leben.“ – Oma, Opa, unsere Eltern.

Die Gesellschaft wird immer älter, und junge Menschen sollen immer noch schneller ihre Ausbildungen abschließen. Das ist ein Widerspruch zu der zu Recht gefeierten Aussage vom lebenslangen Lernen. In den Schulen und Universitäten stur auf das alte Leistungsprinzip gesetzt. Die Festplatte muss immer schneller befüllt werden, Fehler machen ist verboten und wird bestraft, Kenntnisse über Kommunikations- und Informationstechniken – Null. Bildungsabschlüsse erleben eine zunehmende Inflation, und Betriebswirtschaftslehre und Jura sind die “beliebtesten” Studienfächer (Fragt sich nur, wer sie liebt).  So werden die Absolventen, hoffentlich bald kauf- und steuerzahlungskräftig, in den Ellbogenkampf der Wettbewerbsgesellschaft entlassen.

Dort treffen sie zunehmend auf Unternehmen, die das sinkende Bildungsniveau, den Mangel an Sozialkompetenz, Risikobereitschaft, Innovationskraft und Kreativität bei ihren Mitarbeitern beklagen. Während die Wirtschaft zumindest begonnen hat auf den gesellschaftlichen Wandel zu reagieren, produziert das staatliche Bildungssystem immer noch mehr Controller, Wirtschaftsanwälte und Verwaltungsangestellte – Das Gegenteil des notwendigen zukunftsfähigen [unternehmerischen] Bedarfs.

Seitdem wir unsere Spitzenköche- und Lieblingsrestaurants haben, hat sich der alte Witz “Wer nichts wird, wird Wirt.” gewandelt; heute lautet er: “Ich möchte gerne etwas mit Menschen machen.”. Soziale Berufe, die die ganze Gesellschaft überhaupt zusammen halten, bleiben chronisch unterbezahlt und wenig anerkannt. Unser heutiges Bildungssystem beutet die meisten Köpfe genau so, wie wir die Erde ausbeuten: Nur um eines bestimmten [ökonomischen] Rohstoffs willen – Lukrative Funktionsfähigkeit. Dafür gibt es einen Grund. Das ganze System wurde im 19. Jahrhundert erfunden, um den Bedarf der Industrie zu erfüllen. Und das brachte die Hierarchie in die Kompetenzen und Fähigkeiten. Immer noch oberstes Gesetz: Die für die Arbeitswelt nützlichsten Fächer stehen ganz oben. Die alten Elite-Universitäten haben das Bildungssystem nach ihrem [Ideal-] Bild erschaffen.

So wurden die akademischen Fähigkeiten zum dominierenden gesellschaftlichen Verständnis von Intelligenz. Damals ist man mit 60 gestorben und Kinder hatten zu folgen. Demografischer Wandel wäre mit: “Demo…Was? Ach das, das machen die Frau und die Kinder.” beantwortet worden. Ein Doktortitel in Altenpflege ist Quatsch. Eine gleichwertige Anerkennung des Berufsstandes keineswegs. Man kann nicht die ganze Zeit sagen, dass Bildung das höchste Gut ist, aber nichts, bzw. ständig das Falsche tun.

Was moderne Bildungswissenschaftler, Lehrer sowie Unternehmer fordern, trifft mitten ins Schwarze. Die Zukunft verlangt nach einer multi-disziplinären Exzellenzgesellschaft mit hohem Sozialkapital – Beides wird niemals von Automatisierung oder Sinnleere betroffen sein. Dafür braucht es nicht noch eine gescheiterte Reform des industriellen Bildungssystems, sondern eine Bildungsrevolution, die organisch Talente und Potentiale entfaltet und anerkennt.

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