Welt ohne Jobs

In grauer Vorzeit mussten Menschen alle jagen und sammeln, um zu überleben. Die Zeit hat aber gezeigt, dass Menschen außerordentlich smart sind. Seit jeher haben wir Werkzeuge hergestellt, um uns die Arbeit zu erleichtern. Vom Stock, über den Pflug bis zum Traktor haben es Menschen bis zur heutigen modernen Landwirtschaft geschafft, und niemand muss seine Nahrung mehr selbst produzieren. Darüber hinaus produzieren wir Lebensmittel im Überfluss.

Aber es geht nicht nur um die Landwirtschaft – es geht um mehr, quasi um alles. Wir haben die letzten paar tausend Jahre alle möglichen Werkzeuge erfunden, um anstrengende physische Arbeit zu reduzieren. Maschinen kann man auch als unsere mechanischen Muskeln bezeichnen. Sie sind stärker, haltbarer, immer wach und viel effizienter als unsere menschlichen Muskeln es jemals sein könnten.

Es ist eine gute Sache Menschen durch Maschinen zu ersetzen, denn es versetzt Menschen in die Lage sich zu spezialisieren, und das verbessert die menschliche Lebensqualität, selbst wenn man noch physische Arbeit leistet (Man denke an den Fahrer eines vollautomatischen Müllabfuhr-Wagens). So funktioniert die Wachstumswirtschaft, und so hat sich unser Lebensstandard erhöht.

Eine jüngere Aufgabe von spezialisierten Programmierern oder Ingenieuren ist die Entwicklung von digitalen Gehirnen. So wie unsere mechanischen Muskeln immer weniger Nachfrage nach menschlicher Arbeitskraft hervorbringen, so steht es auch um unsere geistige Arbeitskraft. Das ist eine wirtschaftliche Revolution. Wir denken vielleicht, dass wir das mit der Industriellen Revolution schon mal früher erlebt haben, aber nein – das was jetzt gerade passiert, ist nicht vergleichbar.

Wenn wir an Automatisierung denken, kommen uns gigantische, speziell gefertigte, teure, effiziente, aber absolut dumme Maschinen in den Sinn (wie z.B. Roboter in der Automobilindustrie) – ohne Wahrnehmung der Welt um sie herum – Maschinen eben. Es gab in der Vergangenheit schon einmal einen Entwicklungsschub in der Automatisierung, aber zur umfänglichen, maschinellen Revolution hat es noch nicht gereicht. Diese Maschinen waren nur begrenzt effizient bzw. finanziell noch nicht sinnvoll. Das war die alte Generation der Automatisierung. Heute erleben wir die nächste Generation.

Es gibt z.B. Baxter, einen intelligenten lernenden Roboter, der eine Vielzahl unterschiedlicher Handlungen erlernen kann, einfach nur durch zusehen und imitieren. Er kann Arbeiten erledigen, die früher noch Millionen Euro verschlungen haben, und durch versierte Techniker und Maschinisten ausgeführt werden mussten. Baxter kostet in der Anschaffung weniger als das jährliche Durchschnittsgehalt eines Mitarbeiters. Im Gegensatz zu seinen Vorgängern ist er nicht vorprogrammiert, um eine einzelne Aufgabe zu erfüllen, er kann alle Arbeiten erledigen, die in Reichweite seine Arme liegen. Er ist quasi ein Generalist unter den Robotern – und das macht ihn universell einsetzbar.

Denken wir an die ersten Generationen von Computern zurück. Auch sie starteten als hochspezialisierte, extrem teure und sperrige saalfüllende Rechenmaschinen. Sie wurden von der nächsten Generation “Personal Computer” abgelöst, die Generalisten die wir plötzlich überall in unserem Alltag einsetzen konnten. Innerhalb von Sekunden konnten wir die zugeteilten Sitzplätze in Flugzeugen ändern, Spiele spielen, Statik oder Steuersätze berechnen usw. – einfach nur, durch den Austausch und später das Hinzufügen der verwendeten Software in den Computern. Auch unsere hohe Nachfrage nach all den unterschiedlichen Anwendungsmöglichkeiten, haben unsere Computer jedes Jahr leistungsfähiger und gleichzeitig günstiger werden lassen.

Baxter ist vergleichbar mit den ersten Personal Computern der 1980er Jahre. Er ist nicht das Ende, sondern erst der Anfang der Entwicklung. Selbst wenn Baxter heute noch langsam ist, im Vergleich zu seinen biologischen Kollegen und ihrem Mindestlohn, kostet er in der Stunde ein paar Cent Strom, macht nie Urlaub oder Pause, ist ein 24/7 Arbeiter, der nie meckert. Mit einem Zehntel der menschlichen Arbeitsgeschwindigkeit ist immer noch 100 Mal kosteneffizienter. Obwohl Baxter nicht der Schlaueste seine Geschwister ist, kann er ab sofort alle stumpfsinnigen Arbeiten übernehmen (z.B. ein Paket von A nach B legen).

Wir haben in den letzten Jahren schon gesehen wie wesentlich dümmere Roboter / Maschinen stumpfsinnige menschliche Arbeitsplätze übernommen haben. Bei Ikea saßen früher 30 Kassierer an den Kassen, heute fünf, die die vollautomatischen Kassensysteme betreuen. Eigentlich betreuen sie nicht die Maschinen, sondern die Menschen, die mit Ihnen umgehen sollen. Barista-Automaten machen unseren Kaffee, Ticketautomaten übernehmen unseren Check-In, usw.

Sicherlich gibt es den kleinen Coffee-Shop Mitarbeiter, der Ihnen jeden Morgen den besten Double-Lowfat-Was-Auch-Immer herstellt, aber Millionen von Menschen, inklusive der Ästheten, ist das an einer Autobahnraststätte egal, und sie drücken auf den Knopf eines Kaffee-Automaten. Es gibt auch schon den Kaffee-Roboter, der Millionen von Menschen und ihre Bestellwünsche speichern kann, und den man per Smartphone von unterwegs ansteuern kann.

Wir Menschen neigen noch immer dazu uns technologischen Fortschritt als etwas Ausgefallenes, Teures wie Raketenwissenschaft und Satellitentechnologie vorzustellen, aber die echten Veränderungen entstammen den Entwicklungen der letzten zehn Jahre, die immer schneller und günstiger wurden.

Genau das gleiche passiert auch in der Roboter-Technologie. Und weil ihre Software dazu in der Lage ist Entscheidungen zu treffen, werden sie auch geistige, menschliche Arbeitsplätze ersetzen – weitreichender als es jede mechanische Entwicklung es jemals getan hat.

Technikfeinde

Stellen wir uns zwei Pferde vor, die sich im frühen 19. Jahrhundert über Technologie unterhalten. Das eine ist besorgt, dass all diese neuen mechanischen Pferde (Automobile) sie früher oder später überflüssig machen wird. Das andere Pferd gibt zu bedenken, dass all die bisherigen Erfindungen ihr Leben im Vergleich wesentlich leichter gemacht hat. Es erinnert an all die harte Arbeit in der Landwirtschaft, die ständige Rennerei, um ein paar Briefe von einer Stadt in die andere zu befördern, ganz zu Schweigen von den mörderischen Schlachtfeldern in den Kriegen der Menschen – diese schrecklichen Zeiten sind vorbei. Es bleiben immer noch die ganzen leichten Arbeiten in den Städten, wo all die vielen Menschen wohnen. Dort wird es für Pferde immer genug Arbeit geben. Selbst wenn dieses Auto-Ding immer mehr Arbeiten übernehmen sollte, wird es immer neue Jobs für Pferde geben – wir können sie uns bloß noch nicht vorstellen.

Wir, die wir im Jahr 2014 leben wissen, dass es immer noch Arbeit für Pferde gibt. Sie ziehen z.B. Kutschen für Hochzeiten und Stadtrundfahrten, aber im Vergleich zum 19. Jahrhundert, ist das eine lächerliche Anzahl. Die Pferdepopulation hatte im Jahr 1915 ihre Spitze erreicht, von da an ging sie kontinuierlich zurück.

Es gibt keine ökonomische Regel die besagt, dass bessere, weiterentwickelte Technologie bessere und mehr Arbeitsplätze für Pferde schafft. Es erscheint vielleicht etwas merkwürdig, aber ersetzen sie in der eben gelesenen Pferdegeschichte die Pferde durch Menschen.

Genauso wie die mechanische Automatisierung bereits Menschen und Pferde arbeitslos gemacht hat, so wird dasselbe nun, durch die Weiterentwicklung der Technologien, mit der geistigen, menschlichen Arbeit geschehen. Nicht sofort, nicht überall, aber in Anzahl und Auswirkung weitreichend genug, als dass es für unsere momentanen Systeme riesige Probleme hervorbringen wird, wenn wir uns nicht darauf vorbereiten. Wir jedoch unternehmen nichts – gar nichts – um uns darauf vorzubereiten!

Sie repräsentieren vielleicht das zweite Pferd. Sie blicken auf die technologische Entwicklung und denken sich, dass Technologie niemals jeden Job ersetzen können wird. Aber bedenken Sie – Die Technik wird schneller, besser und billiger und unsere biologischen Anlagen werden sie niemals mehr übertreffen können.

Genauso wie das Auto das Ende der Pferde einläutete, so zeigt uns das Auto heute erneut, was zukünftig auf uns zukommen wird. Selbstfahrende Autos sind heute keine Zukunftsvision mehr. Sie existieren und sie funktionieren. Sie haben bereits abertausende von Kilometern auf Landstraßen und im Stadtverkehr zufriedenstellend absolviert, ohne dass ein Mensch darin involviert gewesen wäre. Die Frage hier lautet nicht, ob sie die klassischen Autos ersetzen werden, sondern wie schnell das gehen wird.

Diese Autos müssen nicht perfekt sein, sie müssen nur besser sein als unsere menschliche Performance im Straßenverkehr. In Europa sterben jährlich rund 50.000 Personen durch Autounfälle. Selbstfahrende Autos blinzeln nicht, sie schreiben und lesen keine sms während der Fahrt, sie schlafen nicht am Steuer ein, regen sich nicht künstlich auf, haben keine Angst in Kreisverkehren usw..es ist klar ersichtlich, dass sie schon heute besser Auto fahren, als wir Menschen es jemals könnten.

Selbstfahrende Autos als Automobil zu bezeichnen ist so, als würde man die ersten Automobile als mechanische Pferde bezeichnen. Es limitiert schon in der Ausdrucksweise die Fähigkeiten und Möglichkeiten, die sie uns Menschen eröffnen. Selbstfahrende Automobile sind Autos. Per Definition dafür gedacht Objekte von A nach B zu befördern. Traditionell bezeichnen wir Autos als Transportmittel, um Menschen zu befördern. Aber Autos sind auch die kleinen Maschinen, die in Lagerhallen Waren von Regal A nach Regal B verfrachten, oder die gigantischen sieben Stockwerke hohen Trucks, die in Bergbauminen eingesetzt werden.

Dinge von A nach B zu bewegen macht so viel mehr Arbeitsplätze aus als das, was wir unter dem Begriff Transportindustrie zusammenfassen. Weltweit werden mehr als 70 Millionen Arbeitsplätze in der Transportindustrie angesiedelt und all diese Jobs werden verschwinden.

Nun kommt hier häufig das Argument, dass wir dafür ja Gewerkschaften haben, die das schon zu verhindern wissen werden. Mal abgesehen davon, dass diese Schlussfolgerung heute schon veraltet ist – die menschliche Geschichte ist voll mit Arbeitskräften, die neue Technologien und Automatisierungen bekämpft haben. Fakt ist, sie haben immer verloren. Die Ökonomie und ihre Gesetzmäßigkeit der Effizienz gewinnt immer. Es gibt aus ökonomischer Sicht zu viele attraktive Anreize autonome Autos quer durch alle Industrien einzusetzen.

Für die meisten Transport- und Logistikunternehmen machen menschliche Arbeitskräfte ca. ein Drittel ihrer Kosten aus. Und das sind nur die reinen Gehalts- und Lohnkosten. Menschen, die in ihren LKWs schlafen müssen, kosten extra Zeit, und somit Geld; Unfälle kosten Geld, unaufmerksame Fahrer kosten Geld.

Überlegen wir uns einmal wie Versicherungsunternehmen auf die Einführung von automatischen Autos reagieren werden. Was ist der perfekte Kunde für eine Auto-Versicherung? Jemand, der immer seine Versicherungsbeiträge bezahlt, niemals einen Unfall hat, und so nie eine Leistung in Anspruch nimmt.

Die autonomen Autos werden kommen, und erst dann werden wir alle zum ersten Mal wahrnehmen, wie die Robotik unsere Gesellschaft verändern wird. Es gibt schon viele andere Bereiche, wo unsere Gesellschaft bereits durch die Robotik verändert wird. Sie sind nur nicht so sichtbar wie das Auto, unsere deutsche heilige Kuh.

Beim Blick auf automatische Autos und die Baxters dieser Welt denken viele Menschen, dass Technologie schon immer stumpfsinnige oder einfache Tätigkeiten abgelöst hat, die wir Menschen nicht machen wollen. Dadurch konnten wir uns immer weiter spezialisieren und so immer mehr Arbeitsplätze ausfüllen, die eine bessere Bildung voraussetzen.

Anhand dessen haben wir unsere Bildungssysteme global ausgelegt und drücken heute, mit entsprechenden Schwierigkeiten, hunderte Millionen Menschen durch die Universitäten, die sie dann mit immer besseren Abschlüssen verlassen, um dann in die begehrten Business-, Büro- und Verwaltungsjobs zu strömen.

Das Paradigma suggeriert uns, dass wer heute eine Beschäftigung hat, die hauptsächlich das Sitzen vor einem Bildschirm, das Tippen auf einer Tastatur und das Klicken von Mäusen beinhaltet, mehr oder weniger sicher ist seinen Arbeitsplatz zu behalten. Das ist ein Irrtum, die Robotik wird auch sie erreichen.

Aus unternehmerischer Sicht sind Beschäftigungen für Bürohamster heute erstens zahlreicher vorhanden, und zweitens teurer als die wenigen verbliebenen Tätigkeiten für weniger ausgebildete Menschen. Der Anreiz diesen großen, angewachsenen Teil der Kosten einzusparen, ist aus Sicht der Effizienz sehr verlockend. Software ist wesentlich günstiger und schneller als menschliche Bürohamster. Software ist die Automatisierung von geistiger, menschlicher Arbeit. Genau das ist die Aufgabe von Programmierern. Diese Spezialisten arbeiten ausschließlich daran geistige menschliche Arbeit durch Software zu ersetzen.

Nun gibt es eine sehr große Gruppe von Menschen, die sich vollkommen sicher ist, dass ihr Job niemals von einem Programmierer durch Software ersetzt werden kann – und das mag sogar stimmen – aber das wegweisende Element der Softwareprogrammierung ist nicht der ausgebildete super-smarte Spezialist mit dem Harvard Abschluss, sondern der super-smarte Programmierer mit Harvard Abschluss, der Software schreibt, die Computer in die Lage versetzt selbst zu lernen, und mit ihrer super-smarten Rechenleistung Dinge zu programmieren, die ein super-smarter menschlicher Programmierer nie hinbekommen würde.

Das genau zu erklären ist kompliziert, aber die meisten von uns kennen bereits Ergebnisse dieser Innovation: Hochfrequenzhandel an der Börse oder die Google-Algorithmen. Die Börse ist schon seit einigen Jahren keine menschliche Unternehmung mehr. Es sind hauptsächlich Programme, die sich selbst beigebracht haben mit Wertpapieren und Kursen zu handeln, die wiederum mit anderen Programmen handeln, die sich das Handeln selbst beigebracht haben.

Im Klartext: Das sind keine Programme, die Kommandos von menschlichen Börsenhändlern ausführen, sondern Programme, die selbstständig entscheiden, ob sie etwas kaufen oder verkaufen wollen, wobei sie gleichzeitig Milliarden von Informationen auswerten, die ihre Entscheidung logisch untermauern. Kein Mensch ist dazu in der Lage. Deshalb ist das globale Börsenparkett auch nicht mehr mit Börsenmaklern gefüllt, die ihre Arbeit machen, sondern eher so etwas wie eine riesige Fernsehkulisse, für die freundliche Moderatorin, die uns jeden Abend die wichtigsten Software-Ergebnisse [Börsen-Nachrichten] vorliest.

Programme haben nicht nur den Börsenmarkt gelernt, sie können ihn auch selbst schreiben. In den vergangenen Jahren haben wir alle schon Artikel in Zeitschriften gelesen, die von Programmen selbstständig geschrieben worden sind. Das beste Beispiel dafür sind die sich immer und immer wiederholenden Artikel in Frauenzeitschriften zu immer den selben Themen. Das ist copy-paste ohne, dass dabei ein Mensch anwesend sein muss. Das ist Software. Es gibt Unternehmen, die diese Leistungen anbieten “Künstliche Intelligenz, die für Sie arbeitet” heißt es da. Sie bringen Programmen bei alles zu schreiben, was sie wünschen vom Sportartikel bis zum Quartalsabschluss inklusive Report, den normalerweise ein Mensch hätte schreiben müssen.

Papierkram, Entscheidungen treffen und Dinge schreiben – Das sind eine Menge menschlicher Jobs, die in diese Kategorie fallen und die Nachfrage nach geistiger, menschlicher Arbeit befindet sich bereits auf Talfahrt.

Aber die akademischen Berufe an sich sind noch sicher, ja? Wenn wir an Anwälte denken, dann denken wir oft sofort an Gerichtsverhandlungen. Aber einen Großteil der Arbeit von Juristen macht das Entwerfen von juristischen Dokumenten aus, das Abschätzen von Anklagen und Strafmaß, oder den „Ausforschungsbeweis“ wobei kistenweise Akten auf Juristenschreibtische gekippt werden, um dann Muster in Vorgängen, bzw. auffällige Transaktion zu finden sind.

All das kann von Software erledigt werden. Der “Ausforschungsbeweis” kommt in den meisten Firmen mittlerweile auch nicht mehr vor. Nicht etwa, weil es nicht mehr genug Papierkram gibt, den man durcharbeiten muss – im Gegenteil, davon gibt es täglich immer mehr. Der Grund dafür ist, dass es heute smarte Recherche-Software gibt, die innerhalb von ein paar Stunden Millionen von Emails, Memos, Konten und Dokumenten durchsieben kann, wofür ein Mensch Wochen brauchen würde. Software schlägt den menschlichen Researcher nicht nur in den Bereichen Kosten und Zeit, sondern darüber hinaus auch in Genauigkeit, denn Software wird weder müde noch langweilt sie sich beim Durchlesen von Millionen von Emails.

Diese Software ist allerdings Kinderkram im Vergleich zu Watson, dem kognitiven Computer der Firma IBM. Watsons‘ Beruf ist Arzt, der beste Arzt der Welt. Er versteht, was Menschen in eigenen Worten erzählen, und antwortet mit einer akkuraten Diagnose. Er wird bereits seit einiger Zeit im weltweit ältesten und größten Krebszentrum, dem Sloan-Kettering Memorial in New York eingesetzt, wo er z.B. die Behandlung von Lungenkrebspatienten verantwortet.

Genauso wie beim automatischen Auto muss ein Doktor-Roboter nicht perfekt sein, sondern nur besser als Menschen, in diesem Fall mit geringerer Fehlerquote als menschliches Handeln.

Menschliche Ärzte sind ohne Zweifel nicht perfekt, die Häufigkeit und die Ernsthaftigkeit von Fehldiagnosen ist erschreckend. Die menschliche Physis und die globale medizinische Historie eines jeden einzelnen kann kein noch so smarter menschlicher Arzt abbilden. Die Kenntnis jedes existierenden Medikaments, jede Nebenwirkung oder Wechselwirkung mit anderen Medikamenten ist unmöglich. Ebenso wie die Ergebnisse jeder veröffentlichten Studie zu kennen, die von tausenden Maschinen, die zeitgleich über eintausend neue Medikamente testen. Das übersteigt bei weitem die Kapazität menschlichen Ärztewissens. Menschliche Ärzte können ihre eigenen Erfahrungen verbessern, zu Kongressen fahren und nach 12 Stunden im OP noch Studien zu ihrem Fachgebiet lesen.

Watson kann aus den Erfahrungen aller global existierenden medizinischen Daten lernen, dabei alle medizinischen Studien lesen und darüber gleichzeitig über den aktuellen Stand des Krankheits- bzw. Heilungsverlaufs aller seiner Patienten weltweit auf dem laufenden bleiben. Daraus kann er Schlussfolgerungen und Behandlungsmethoden ableiten, die für Menschen vollkommen unmöglich zu finden wären.

Natürlich werden nicht alle Ärzte zukünftig verschwinden, aber wenn die Ärzte-Roboter mit Menschen vergleichbar werden – und sie sind exakt so weit entfernt davon, wie unsere Mobiltelefone es vor kurzem noch von unseren Smartphones war. Dann wird der Bedarf an Medizinern definitiv schrumpfen.

Wir alle, vom Spezialisten über Business- und Bürohamster bis zum Fließbandarbeiter müssen uns mit der Rationalisierung unserer Arbeit beschäftigen. Wenn wir nicht bald anfangen uns mit dem Wandel zu beschäftigen, in dem wir uns bereits befinden, dann wird es sogar unsere besonderen kreativen Schneeflocken treffen.

Die Robotik ist bereits auch in diesen Bereich vorgedrungen. Kreativität wird von den meisten Menschen als eine magische Gabe betrachtet, aber das ist sie nicht. Sie ist erlernbar. Wir nennen das menschliche Gehirn gerne die komplizierteste Maschine des Universums, aber das hat uns nicht davon abgehalten zumindest zu versuchen sie zu simulieren.

Nehmen wir mal an, dass es uns die Mechanisierung gestattet hat, uns mehr der geistigen und denkenden Arbeit zuzuwenden und wir uns nun, durch die Ausreifung der künstlichen Intelligenz, der kreativen oder künstlerischen Arbeit zuwenden könnten. Nehmen wir weiterhin an, dass das menschliche Gehirn magisch künstlerisch-kreativ ist, dann können wir doch ernüchtert feststellen, dass künstlerische Kreativität nicht die Mehrheit unserer Jobs ausmacht.

Musiker, Autoren und Filmemacher, Schauspieler und bildende Künstler, die tatsächlich von ihrem Schaffen leben können, machen einen minimal kleinen Teil unserer Arbeitswelt aus. Hinzu kommt, dass alle von ihrer Popularität abhängig sind, die sich jederzeit verflüchtigen kann und auch immer nur einen kleinen Teil der Bevölkerung ansprechen wird, die unterschiedlichen Geschmäcker der Menschen limitieren dieses Feld definitiv. Fakt ist: Es wird niemals eine Lyrik- und Gemälde-basierte Weltwirtschaft geben.

Mittlerweile gibt es Programme, die 24/7 kostenlos neue einzigartige Musik komponieren, und die von Experten nicht von menschlicher Komposition unterschieden werden kann. Künstliche Kreativität schreitet schnell voran, es ist ein wachsendes Entwicklungsfeld. Vor einem Jahrzehnt dachten Menschen noch, dass Schach spielen eine einzigartige und komplexe menschliche Fähigkeit wäre, die eine Maschine niemals fertigbringen würde, bis vor ein paar Jahren der Beste von uns allen durch einen Computer geschlagen wurde. Und so geht das weiter mit unseren menschlichen Talenten.

Das mag vielleicht alles ein bisschen viel Information sein, die es zu verarbeiten gilt, und wir tendieren alle dazu zukünftige Entwicklungen abzustreiten. Es gibt jede Menge Zyniker und Allwissende, die sich über idiotische Zukunftsprognosen lustig machen, da sie niemals kommen werden. Deshalb ist es wichtig, dass es ich bei allem, was Sie gerade gelesen haben, nicht etwa um Sciencefiction handelt. Die Robotik ist da, sie ist jetzt da, nicht morgen oder irgendwann. Sie hat bereits in unglaublichem Maß Einzug in die Labore, Fabriken und  Logistikzentren weltweit genommen. Das ist eine Tatsache und das wird sich auch nicht ändern.

Wir sind schon früher durch viele wirtschaftliche Revolutionen gegangen, aber die Robotik-Revolution ist definitiv anders. Pferde wurden ab 1915 nicht arbeitslos, weil sie sich plötzlich in eine faule Spezies verwandelt hatten – sie wurden einfach unvermittelbar. Die verbliebene Arbeit für Pferde, als Kutsch- oder Polizeipferd, reichen schon lange nicht mehr für Unterkunft und ausreichend Heu für alle aus.

Und viele intelligente, fähige und gut ausgebildete Menschen werden zukünftig mehr und mehr zu den Pferden der Gegenwart werden – nicht vermittelbar, ohne auch nur einen Funken dazu beigetragen zu haben.

Wenn wir noch immer annehmen, dass neue Jobs uns retten werden, bleibt noch ein weiterer Punkt, den es zu bedenken gilt. Zu Zeiten der arbeitslos werdenden Pferde, im Jahr 1910 wurde in Deutschland eine Volkszählung durchgeführt und rund  65 Mio. Menschen ermittelt. Die Anzahl der damals ausgeübten Berufe bildet nur einen Bruchteil dessen, was wir heute an ausgeübten Berufen kennen (siehe Abb. mit unserer unglaublich altmodischen Sammlung von Ausbildungsberufen im Jahr 2014).

Heute haben wir aberhunderte von Berufen und akademischen Tätigkeiten. Aber all diese neuen Berufe und Abschlüsse haben keinen signifikanten Anteil an der realen Wirtschaft in Deutschland. Einen Blick auf die heutigen Beschäftigungsfelder und die Anzahl der Menschen, die in Deutschland darin arbeiten, zeigen ein ernüchterndes Ergebnis.

Die Automobilindustrie an der Spitze, gefolgt von der Telekommunikation, Logistik- und Transportindustrie – bis zum Ende der Liste wird deutlich, dass all diese Berufe in dieser oder ähnlicher Form auch schon vor fünzig bis hundert Jahren existiert haben, und sie alle sind seit hundert Jahren ein einfaches Ziel der Automatisierung und Rationalisierung. Die Ausnahme auf der Liste bildet der IT-Mensch mit einem relativ niedrigen Listenplatz.

Nicht jeder Verkäufer oder Bürohamster wird seinen Job verlieren, bevor wir mit dem Problem konfrontiert sein werden. Die Arbeitlosenrate zur großen Depression von 1929 betrug ca. 25% – so viel wie heute in Griechenland oder Spanien.

Die Liste der Beschäftigten in Deutschland umfasst 45% der Arbeitskräfte in Deutschland. All die dargestellten Technologien und Möglichkeiten, die heute schon funktionieren, können uns mit Leichtigkeit über die 45% Arbeitslosenquote hinausschießen. Wenn wir dabei noch bedenken, dass ein Großteil unseres modernen technologischen Wunderlandes keine neuen Jobs kreiert und keinen bedeutenden Anteil an unserer realen Wirtschaft ausmacht, wird uns das große Problem bewusst, das uns gegenübersteht.

Es geht hier in keinster Weise darum neue Technologien und Automatisierungen schlecht zu machen, es geht darum zwei Dinge deutlich zu machen, 1. Die schnell voranschreitende Automatisierung ist unvermeidlich und 2. Das ist eine großartige Erkenntnis, denn sie bildet die Voraussetzung für uns, mit minimaler Anstrengung absoluten Überfluss produzieren zu können.

Wir müssen endlich damit anfangen uns Gedanken darüber zu machen, was gesellschaftlich aus der riesigen, wachsenden Gruppe von Menschen werden soll, die schon heute – und zukünftig noch mehr – unvermittelbar werden, ohne dass sie irgendetwas dafür können.

Was machen wir in Zukunft, wenn sich Menschen für die meisten Jobs die existieren, gar nicht erst bewerben müssen?!

  • 15. Juni 2015

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